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Wir über uns

Mittlerweile ist es knapp 20 Jahre her, dass ich beruflich in die Fußstapfen meines Vaters getreten bin. Am häufigsten wird mir seither die Frage gestellt, ob es mir nicht schwer falle, mit dem Tod zu leben.

„Meine Arbeit verstehe
ich als praktischen Trost.“
Johanna Weiss

Seit frühester Kindheit war mir bewußt, dass jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt mit dem Sterben konfrontiert werden kann. Mit der Zeit lernte ich, daß sich meine Arbeit im Trauerhaus nicht auf eine geschäftliche Ebene und die Organisation der Beerdigung beschränkt, sondern sie im besten Sinne des Wortes eine Dienstleistung darstellt.

Oftmals bin ich noch vor einem Pfarrer oder nahen Verwandten im Trauerhaus, wo ich Menschen in einer seelischen Ausnahmesituation antreffe. Als Bestatterin muss ich mich in diesem Fall als eine Art Krisenmanagerin bewähren.

Jeder reagiert im Trauerfall anders. So muss ich mich auf mein Einfühlungsvermögen verlassen, damit Trost und Anteilnahme keine leeren Worte bleiben. Manchmal beschränke ich mich auf`s bloße Zuhören, mal ist Zuspruch notwendig, in anderen Fällen kann nur ein Miteinanderschweigen das Gefühl vermitteln, die anstehenden Aufgaben und Entscheidungen bewältigen zu können.

Meine Arbeit verstehe ich als praktischen Trost. Gerade die christliche Lehre und mein eigener Glaube an ein Leben nach dem Irdischen, machen es leichter, die richtigen Worte zu finden. Dadurch bin ich auch im Umgang mit Nicht- oder Andersgläubigen glaubwürdig.

Meine Erfahrung lässt mich die Belastung, auch an Sonn- oder Feiertagen oder nachts präsent zu sein, kaum wahrnehmen. Vielmehr bereichern die Begegnungen mein eigenes Leben. Es fällt mir daher nicht schwer, mit dem Tod zu leben.

Johanna Weiß